6. Tag = Tokaj~Breb/România

Von Tokaj/Ungarn nach Breb/Maramureș/Rumänien
Tagesstrecke: 266 km – JUHU – Tach, fremdes, geheimnisvolles Land!

Etappe geschafft!! Nach 1.631 km, 6 Tagen, im 6. Land angekommen! Guten Tag, România!! Und ich bin schon jetzt so beeindruckt und berührt, unglaublich. Aber vom Anfang an, also heute Morgen pünktlich um 9 Uhr in meinem Zimmer mit komischem Schließmechanismus gestartet, dann hat mich mein Navi auf abwegigen Straßen hinter großen fetten Brummis tuckeln lassen und endlich… die Abfahrt auf eine kleinere Straße… verpaßt! MIST!! Aber was für ein Glück, denn dann hätte ich diesen kleinen „Konsum“, „Dorfladen“ oder auch „Tante-Emma-Laden“ genannt, nicht entdeckt und auch nicht diese wunderbaren Frauen bei denen innerhalb von Sekunden als ich meinen Helm abgenommen hatte, das Eis gebrochen war.

Die linke Dame hat meinen Einkauf sozusagen übersetzt und sich sehr gefreut, ihr '69 gelerntes deutsch anzuwenden. Mir hat sehr geholfen, außerdem fand ich sie total reizend.

Die linke Dame hat meinen Einkauf sozusagen übersetzt und sich sehr gefreut, ihr ’69 gelerntes Deutsch anzuwenden. Mir hat es sehr geholfen, außerdem fand ich sie total reizend.

So liebenswürdig, so offen, so feundlich, die linke Dame kramte sofort ihr Deutsch heraus, welches sie 1969 auf einem Gymnasium (in Ungarn) gelernt hatte. Dann versorgte mich die Verkäuferin mit allem möglichen frischem; Tomaten, Paprika, Wasser, ein frisches Stück Plunder und wollte unter keinen Umständen dafür bezahlt werden, aber das konnte ich nicht annehmen! Letztendlich und nach langem Überreden, beidseitigem gestenreichem Kopfschütteln, hat sie mich doch bezahlen lassen und ich ließ zum Schluß noch mein ungarisches Hartgeld im Laden, ich wusste ja, in ein paar Stunden war der Umstieg von Forint auf Lei angesagt. Derweilen hatte ich 3 Währungen aus 5 Ländern in meiner Tasche, da passiert es schon, das du beim bezahlen nen falsche Schein zückst oder mit der falschen Umrechnungstabelle dem Verkäufer erklären willst, das das viel zu viel ist was er da verlangt… War das peinlich, puh. Zurück in den Konsum/Dorfladen, die Damen waren toll und haben auf den letzten Metern Ungarn eine kleine Steigerung des Sympathielevel verpaßt. Fotografieren lassen wollte sich die nette Verkäuferin von mir aber nicht, dafür aber die zwei Damen, die zwar der Meinung waren, sie seien heute leider nicht gestylt, aber mit meinem Charme konnte ich sie überreden, doch mit vor die Tür zu kommen! Und ich finde, die sehen toll aus. Ich bin mit so’nem breiten Grinsen unterm Helm und mit einem leicht beruhigtem Herz und Gemüt weitergefahren, das tat ziemlich gut! Köszönöm! [translate 😉]

Dann ging es weiter auf kleinen, feinen Landstrassen durch schöne Gegenden, aber irgendwie ist mir davon nichts im Kopf geblieben, bis zur Grenze. Nach 6 Tagen, 5 Ländern und 1.631 km bin ich nun endlich in Rumänien unweit der ukrainischen Grenze im Nord-Osten angekommen. Endlich wollten Grenzbeamte mal meinen Ausweis sehen!  Rumänien ist dank unseres damaligen Innenminister Friedrich, der bei der EU-Innenministerkonferenz sein Veto eingelegt hatte, da er mangelnde Rechtsstaatlichkeit vermutete, nicht im Schengener Abkommen. Ich konnte ohne Probleme die Kontrolle passieren und bin gleich zum obligatorischen Fototermin beim Tempolimithinweisschild angehalten, DAS sollte ein Foto wert sein und zwar mit mir drauf, nicht nur schnöde das Schild fotografieren, nene! Ganz zufällig stand ein ungarischer BMW/GS Fahrer zum knipsen bereit. Erst hatte ich seine Frau gefragt, aber als er dazu kam, nahm er ihr meine Kamera aus der Hand und signalisierte, das er das besser kann, weil er es versteht, warum ich fotografiert werden wollte. Mir war in diesem Moment diese Geschlechterkiste egal, ich wollte nen Bild! ICH HATTE ES GESCHAFFT!! Er wünschte mir dann noch alles gute und Spaß und grinste übers ganze Gesicht, seine Karre – meine Karre, wir hatten die gleiche Leidenschaft. Überhaupt in allen Ländern durch die ich durch bin, wurde mir ausnahmslos von jedem Motorradfahrer*in die Hand zum Gruss gezeigt oder der rechte Fuß gehoben, kommt auf’s gleiche heraus und ich habe immer zurückgewunken! Ich mag sonst diese Grüßerei nicht und verweigeren mich zu Hause dem immer, aber unterwegs hat mir das ein wenig Verbundenheit und ein Stück Sicherheit gegeben. Nun war ich da, wo ich hinwollte, in Rumänien!
Und gleich machte sich neuer Bammel breit. Wieder ein neues Land, neue Sprache, neue Sitten, Gebräuche, neue Fahrweise, sind sie nett und aufgeschlossen Neuen, Fremden gegenüber, wie reagieren sie auf mich als Frau, die alleine unterwegs ist und ein ganz kleine wenig u.U. ihr Frauenbild aus den Angeln hebt? Was erwartet mich? Und die spannenste aller Fragen? Bekomme ich eine Antwort auf die Frage die mir so oft gestellt wurde und die ich mir selbst so oft stellte: WARUM RUMÄNIEN?

Der Trucker hat mich voll übersehen und fett eingeparkt, ABER als er es mitbekommen hatte, kam er sofort raus, entschuldigte sich 1000mal und half mir, den Rückwärtsgang meiner Karre einzulegen und mich freizufahren. Ich will jetzt mal nüscht darüber verlieren, wie u.U. ein Trucker in Berlin reagiert hätte!

Der Trucker hat mich voll übersehen und fett eingeparkt, ABER als er es mitbekommen hatte, kam er sofort raus, entschuldigte sich 1000mal und half mir, den Rückwärtsgang meiner Karre einzulegen und mich freizufahren. Ich will jetzt mal nüscht darüber verlieren, wie u.U. ein Trucker in Berlin reagiert hätte!

Beim Fotoshooting und Verabschieden hatte mich ein riesiger Truck zugeparkt und ich muss meinen nicht vorhandenen Rückwärtsgang einschieben um da raus zu kommen, der Trucker hatte dies mitbekommen und kam gleich um sein Auto’chen herum und entschuldigte sich vielmals, half mir beim Rangieren und zurrte meine Wasserflasche nochmals fest. Also herzlicher und ehrlicher gehts nicht. An der 5. Tankstelle verbraste ich dann noch meine restlichen 5.000 Forintscheine, rumänisches Geld hatte ich noch nicht und bekam einen Lei zurück, was genau einem rumänischen Keks mit Creméfüllung als Gegenwert entsprach, dem Verkäufer war das wichtig, mir etwas orginal rumänisches mitzugeben und auch er begrüßte mich auf’s herzlichste in seinem Land. Draußen traf ich dann nochmals den GS-Fahrer und wieder winkten wir uns wissend zu, diesmal war es aber wirklich das letzte mal, er züschte ab und hatte hoffentlich Spaß! Für mich war es Zeit, nun mit offenen Augen und Ohren weiter zu fahren. Ich hatte ein Ziel. Es hieß Breb, genauergesagt Babou’s Campingplatz. Hier mal die Beschreibung auf deren Webseite, die auch ausschlaggebend war, das ich diesen Ort und diesen Platz als erstes ansteuere:

Wenn ihr das erste Mal nach Breb kommt, wird es euch schwer fallen, sich nicht augenblicklich in dieses kleine Bauerndorf am Fuße des Gutâi-Berges zu verlieben. Mit seinen nur 500 Häusern, versprengt zwischen Feldern und Obstgärten, fühlt sich Breb eng und weitläufig gleichzeitig an. Ein Ort, der sehr besonders zu sein scheint – und der es auch ist.
Stellt euch unbefestigte Wege und winzige Straßen bergan und bergab vor, hölzerne Brücken über unberührte Flüsse sowie Obstgärten voll von Äpfeln und Pflaumen. Mit Heu beladene Pferdewagen und Familien, die sich um die Felder kümmern und ihre Verpflegung in handgeflochtenen Körben tragen. [Quelle: http://baboumaramures.com/de/breb/]

Da wollte ich unbedingt hin!! Aber noch hatte ich ca. 150 km vor mir.

Und was soll ich sagen, in den ersten Dörfern hingen Geranien von jedem Straßenlampenmast !! Reges Treiben, viele Meschen unterwegs, die Straßen, zumindestens die Hauptstraße war hervorragend. Die Straßenschilder klar und eindeutig, okay, die Kreisverkehre sind gewöhnungsbedürftig, auch rasen sie hier echt durch die Ortschaften, ich bremse die halt aus, weil ich mich (noch) an die 50 km/h halte. Dann ging es endlich ab von der Hauptstraße und die erste Bergkette wartete auf mich. Für meine Enduro genau das Richtige, denn nun waren die Straßen, nun ja, etwas durchlöchert. Steine, Abbrüche, Lücken… egal, es machte Spaß und auf 1100 Meter Höhe waren es mir und meiner Karre so was von schnurz, der Blick und der wenige Verkehr haben mich gefangen genommen. Und dann die ersten Bergdörfer, so wunder-wunderschön, Bilder mache ich morgen, boah die leben wirklich ihre Tradition, das ist nicht aufgesetzt, das ist authentisch. Die Jungs auf ihren pferdegezogenen Heukarren freuten sich wie Bolle wenn ich an ihnen vorbei fuhr, es wurde gewunken, gelacht und gegrüßt. Man sind die offen, unglaublich. Und dann bin ich in Breb angekommen, die Zufahrt zum Campground läßt jedes Offroadherz höher schlagen, meine Karre und ich packt das, aber die Autos? Hui, hui. Dann angekommen. Der Platz ist wirklich toll, groß, grün, sehr naturbelassen, Hängematten, Sitzgelegenheiten an den schönsten Ecken und stellen, zwei junge, extrem freundliche Niederländer die ihn bewirten und eine 80ig-jährigen Frau, der ehemals das alles gehörte und von ihr und ihrem Mann bewirtschaftet wurde, jetzt alleine ist, alles den Niederländern, Eveline und Matthijs verkauft hat, aber Wohn- und Bleiberecht auf Lebzeiten hat. Für heute Abend hat mich Eveline gleich mit eingeladen und noch einer Handvoll anderer Camper aus den USA, Belgien und Berlin ;-), runter ins Dorf zum Abendessen mitzugehen. Authentische, rumänische Küche von einer Breb*erin auf ihrer Terasse serviert, mit Selbstgebrannten pointiert und reichlichst kommentiert.

Ich entspanne langsam, habe Wi-Fi und, ich komme langsam aber sicher an. Der unterschwellige Bammel ist wech und ein Netz aus Neugierde legt sich darüber! România ick freue mir! Muss jetzt Schluß machen, denn gleich ist Aufbruch zum Essen gehen. Bon Apetit.

[Anmerkung von der Redakteurin (also icke): Tag 4 bis 9 konnte ich erst nach meiner Rückkehr online stellen, weil ich entweder zu faul war zum schreiben (trifft nisch janz zu) oder ich mehr Energie auf meine Facebookstatusmeldungen gelegt habe (trifft zu) und die mitgeführte Technik ein einfaches paste&copy nicht zugelassen hat (trifft janz doll zu, dank iPad :-()]

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