24. & 25. Tag = Hațeg~Pécs~Koloděje nad Lužnici

Von Hațeg/Wallenthal nach Pécs/Fünfkirchen (Ungarn)
Tagesstrecke: 322 km – Tag 24
Von Pécs/Fünfkirchen (Ungarn) über Österreich nach Tschechien, Koloděje nad Lužnici
Tagesstrecke: 725 km (sic!!) – Tag 25

Mich von Rumänien zu verabschieden, ist mir richtig, richtig schwer gefallen!! Ich bin früh, sehr früh gestartet. Salome, mein liebenswerter Vermieter scheint, so wie ich, ein Bettflüchtling zu sein, denn kurz nach 5 Uhr trafen wir uns vor meinem Zimmer, im Garten. Ich war gerade dabei, mir einen Kaffee zu kochen, und er bot mir an, Milch für meinen Kaffee war zu machen!! Was für ein Luxus!! Nach Wochen mit pulverisierter Milch und die letzten Tage mit rumänischem, leicht gesüßtem Milchpulver, welches sich nicht wirklich in meinem Kaffee aufgelöste, war das ein ganz wunderbarer Start in den Tag. Wir saßen dann beide noch etwas zerknittert auf seiner Terrasse und erzählten uns unsere Geschichten. Naja, er sein, meine blieben in meiner Schublade. Er war Dentist und nun im Ruhestand und steht seitdem unter den Pantoffeln seiner Chefin welche auch seine Frau ist ;-). Sein Sohn ist rumänischer Meister in Crossmountenbikefahren und tingelt als solcher durch die Weltgeschichte. Irgendwie haben sie sich mit ihrem Land arrangiert und sind geblieben. Wie so häufig nun schon, hörte ich ein „Abfinden“ mit den Zuständen heraus, noch immer Kritik an der Regierung, die blödsinnige oder/und korrupte Entscheidungen trifft. Der Kaffee war getrunken, ich hatte meine Plünnen in der Schrankwand meines Mopeds verstaut und dann ging es los. Meine letzten Kilometer in Rumänien. Es sollte über Timișoara zur Grenze gehen. In Timișoara hab ich mir ein letztes Frühstück gegönnt, einen lecker 2ten Kaffee und ein Omlette. Gut gestärkt konnte es bis irgendwo unterhalb des Balaton/Ungarn gehen.

So gedacht und so gefahren. Rumänische Grenzkontrolleties gab es nicht, dafür aber ungarische. Und denen war scheinbar langweilig. Es reichte nicht, meinen Ausweis zu zeigen, nein, sie wollten das Bild darauf mit der Realität vergleichen. Also Maschine aus, absteigen und Helm runter. Dann waren sie doch ganz nett, haben sich halb tot gelacht als ich auf ihre Frage antwortet, das es nach Berlin geht. Hmm, man kann ja alles über Berlin sagen, die Stadt ist zu blöd nen Flughafen zu bauen, es gibt ethnische Probleme zwischen Schwaben und Berlinern, die S-Bahn mit ihren Winterproblemen fährt auch im Sommer nur unzuverlässig etc.pp. Aber ist sie zum halb tot lachen? Ick hab dit nisch verstanden, ejal. Sie wünschten mir noch gute Fahrt und dann ging es weiter. Ab da war alles auffallend sauberer, aufgeräumter, ordentlicher. Was mir aber wirklich aufgefallen ist, die ungarischen Autofahrer waren wesentlich entspannter und nicht so kamikazemäßig unterwegs. Da hat dich nicht auf einmal der letzte in der Schlange hinter einem LKW hertrottende überholt, was am Anfang anstrengend für mich war, nicht nur den entgegenkommenden Verkehr abchecken, ob’s reicht zum überholen, sondern auch immer fein in den Rückspiegel schauen, ob der hinter dir nicht den selben Gedanken hat und nur ungeduldiger ist. Ich glaube, so meine Überlegung gestern, bei so langweiliger Autobahnfahrt denkt man ja über das eine odere andere nach, jaja Autobahn, aber ich greife nicht vorweg, also das die Rumänen durch ihre jahrelangen miserablen Straßen immer zum langsam fahren verdonnert waren. Denn wer ein Auto hatte und das alleine ist ja schon nicht jedem vergönnt gewesen, der musste es ’schützen‘ vor diesen schwarzen, alles verschluckenden Löchern im Asphalt. Und seit nun die EU ordentlich zweckgebundenes Geld ins Straßennetz pumpt und die Anschaffung eines Potenzmobiles außer Geld nichts mehr im Weg steht, will ordentlich Gas gegeben werden.

Also in Ungarn traf ich auf eine sehr entspannte Fahrweise. Über Land bin ich dann bis Pécs gekommen, da mir mein Navi gesagt hat, dort gibt es einen ‚Familien Kamping‘. Der war auch hübsch gelegen, aber beim einchecken traf ich dann gleich auf eine zynische, falsch lächelnde Kampingwartin (in Ungarn wird Camping mit K geschrieben). Und das erste Fettnäpfchen, ach was, ein Fetttrog erwartete mich. Sie fragte mich wo ich herkomme, ich: aus Rumänien und listete die Städte und Gegenden auf, natürlich mit den rumänischen Bezeichnungen, ich kann und will mir die deutschen nicht merken. Sie dann, wie es angeht, das ich die Ungarischen Namen nicht kenne!!?? Und damit war ihre Meinung von mir und wahrscheinlich von allen Deutschen und der ganzen Menschheit klar. Dann wollte sie 200 Forint für die Nacht haben, ein Mensch, ein Zelt, ein Motorrad, ich gab ihr einen meiner beiden 2000 Forintscheine. Bei einem Stop an einer Tanke in Ungarn hatte ich in Euro gezahlt und 4000 Forint Wechselgeld zurückbekommen, so wollte ich es, da ich hinter der Grenze in keine Wechselstube gegangen bin und für einen Trip dürch’s Land, sollte das reichen. Also sie auf deutsch, die Nacht Kostet 200 Forint, ich gab ihr meinen Schein und erwartete, das ich was zurückbekomme?! Hmm, okay ich bin jetzt nicht die Leuchte im Kopfrechnen, dann fragte sie mich nach weiteren 200 Forint, da stutze ich und meinte, nein ich habe nichts Klein. Sie erließ mir „großzügig“ die 200, ich nahm die Rechnung und dann war mir klar, wo das Problem lag! Sie meinte eigentlich 2200 Forint, ich versuchte das Mißverständnis aufzuklären, das es hier „nur“ ein kommunikatives gäbe, aber sie wollte nicht zuhören. Sie war nun so verbohrt, das sie solch einem Menschen wir mir, der die ungarische Kultur und alles andere ungarische nicht wahrnimmt, nun auch noch Geld erlassen hat. Dazu muss ich sagen, das kurz bevor wir in ihr Büro gegangen sind, sie eine Frau mit ner Schüssel voll Geschirr aus dem WC/Duschraum kommen gesehen hatte und diese gleich auf deutsch anblaffte, sie hätte ihr doch gesagt, Geschirr wird nicht im Duschraum geputzt, sondern dort und zeigt nach hinten. Die Frau ließ sie ausplaffen und meinte dann nur ganz ruhig auf französisch/deutsch, das weiß sie, sie wäre eben nur auf Toilette gewesen und jetzt gehe sie nach DA HINTEN Geschirr waschen und zwinkerte mir dabei zu. Wir waren uns nonverbal einig, dieses Weib nicht ernst zu nehmen. Tja ich erlebte es dann ja auch keine 10 Minuten später.

Okay schön weit weg von ihrem Büro hatte ich mein Zelt neben einer Ulmer Familie aufgebaut. Er der Papa hatte meine Bezahlarie im Büro miterlebt, weil er auch gerade beim einchecken war und kaum war ich fertig mit Zelt und Stangen und Heringen und fetter Matratze aufpumpen 😉 da kam auch schon ne Bier- und/oder Kaffeeeinladung, ganz wie ich wünsche. Die Entscheidung ist mir echt schwer gefallen, weil ich beim Zeltaufbau schon registriert hatte, das sie, so wie ich, eine Espressokanne auf ihrem Reisekocher zu stehen hatten, dieses blubbernde Geräusch kurz bevor er druchgepresst ist, ist für mich ein ganz feines Geräusch. Damit hatte diese Familie schon 99 Punkte bei mir! Dann sah ich, das sie einen Touratech-Alukoffer dabei hatten, sie waren aber ohne Moped sondern mit ihrem Van unterwegs, hmmm. Okay, ich entschied mich für ein Bier und dabei klärte sich alles auf :-). Bevor ihre Tochter kam, sind sie zu zweit mit seiner 650iger KTM immer auf Reisen gewesen, mit Seitenkoffer, Kocher, Zelt und allem PiPaPo. So wie ich. Aber mit Kind geht das nun nicht mehr. Ich fragte ihn, wie er das Gespräch vorhin im Büro wahrgenommen hatte und was für eine Summe er verstanden hatte. Er bestätigte meinen Eindruck und fand auch, naja, die war etwas komisch. Wir plauderten dann noch ein wenig und um 9 Uhr, unglaublich, bin ich ins Bett, ich war tot müde.

Nachts bin ich von diesem wunderbaren Geräusch wenn Regen auf’s Zeltdach trifft wach geworden. Ich dachte nur, naja, schläfst einfach den Regen weg. Kurz nach 5 bin ich dann von einer Regenpause erneut wachgeworden, sprang von meiner königlichen Matratze und dachte, schnell, schnell das Zelt abbauen und einpacken, egal ob’s noch naß ist, aber unbedingt die Regenpause erwischen, damit das ganze ander Zeuch nicht nass wird. Hat geklappt, puh, so schnell war ich noch nie in Plünnen zusammenpacken. Dann hab ich mir meine Kaffeekochuntensilien geschnappt und hab mich vor das Büro der symphatischen Platzwartin gesetzt, die einzigste Stelle auf dem ganzen Platz, die überdacht war, die denken einfach nicht an Ein-Raum-Camper wie mich! Dann es fing unglaublich an zu schütten. Die ’nette‘ Frau Platzwartin kam, grüßte mich mit einem Lächeln im Gesicht welches ich hätte herausmeiseln können, weil es so falsch war und dann fragte sie mich (es lies ihr wohl keine Ruhe, Menschen die ihr wunderbares Ungarn einfach nur zur Durchreise befahren), was ich alles von Ungarn kenne, lies mich aber auch nicht reden, meine Aufzählung wäre eh kurz geworden, sie zählte dann all die tollen Städte auf. Ich unterbrach sie mit den Worten, sie möchte mir jetzt bitte mal zuhören -ZUHÖREN, sie schwieg pikiert und ich meinte, ich war in Rumänien, hauptsächlich in Rumänien und NICHT in Ungarn, dies Land kommt VIELLEICHT noch dran. Sie starrte mich an und meinte: Aber dort ist doch alles sooo dreckig und unaufgeräumt!! Wie kann man dorthin fahren?! Ich: Weil die Menschen toll, nett und herzensgut sind, ich brauche keine Gartenzwerge im Vorgarten. Damit war dann endlich Ruhe und ich konnte ne Stunde lang meinen Kaffee trinken und hoffen, das die Hunde die da gerade vom Himmel purzelten, aufhören zu purzeln oder wenigstens kleiner werden. Es ändert sich nichts, mir war klar, rein in die Regenpelle, sogar meine Regenüberzieher für die Stiefel kamen zum Einsatz und einfach los. Die ersten Kilometer bin ich noch übers Land gefahren und zum erstenmal war ich froh, das ein LKW vor mir herfuhr, denn der machte die Straße mit riesigen Wasserfontänen nach links und rechts frei und ich hatte dadurch, wenn ich schnell genug war, eine einigermaßen wasserfreie Straße und musste mich nur um das Nass von oben kümmern. Es war eine Quälerei! Das sollte bis Österreich so weiter gehen? Ich war geneigt vollständig ohne Karte oder Navi zu fahren, sondern ausschliesslich in die Richtung, wo der Himmel einen Müh heller wurde. Irgendwo im Nirgendwo hielt ich an einer Tanke, hab mir nen doppelten Espresso und was zwischen die Kiemen bestellt und nachgedacht. Okay, ich habe nichts davon, Landstraße zu fahren, ich sehe außer Wasserfontänen eh nüscht. Also ne elektronische Vignette für Ungarn gekauft, dem Navi zum ersten mal gesagt, es darf mir meine Route nach Austria auf Maut und Vignettenstraßen mit der kürzesten Zeit mit Ziel Nürnberg planen. 687 km und ca. 7 h Fahrzeit, das ist zu schaffen! Dachte ich!! Heute rockst du mal ordentlich Kilometer!! Schade das man nicht auch „Regen-freie-Strecke“ ins Navi eingeben kann, aber ich hatte den da oben auf meiner Seite. Kurz vor Austria wurde der Himmel wieder freundlich blau.

Dann kam auch schon die Grenze, ich Schussel hatte vergessen, davor anzuhalten und mir eine österreichische Vignette zu kaufen, aber zum Glück gibt es für solche Transusen wie mich, direkt hinter der Grenze nen kleines Verkaufsbüro. Da hab ich dann für 4,50 nen 10-Tages-Vignette erstanden und sie mir vorne auf mein Windschild geklebt. In Ungarn wird alles elektronisch gemacht, die scannen dich und dein Nummernschild mit überall vorhandenen Kameras ein und vergleichen ihre Datenbank, in Austria wird noch mit richtigen Augen kontrolliert. Und dann ging es ab durch die angeberischen Alpen, zig Autobahnkilometer und unzählige Tunnel. Ich dachte schon, halb Österreisch muss untertunnelt sein. Für die großen Tunnel musste ich dann noch insgesamt 13 € Maut bezahlen. Immer wieder überlegte ich, diese langweilige Autobahn zu verlassen und doch Landstraße zu fahren, aber mein Ziel Nürnberg, eh schon sehr sportlich gesteckt, hätte ich niemals über Land in der Zeit erreicht.

Also blieb ich auf der AB. An der Grenze hatte ich einer Freundin in Nürnberg ne SMS geschickt und angefragt, ob ich die Nacht bei ihr schlafen könnte. Es wurde eh mal Zeit, sie dort zu besuchen. Bis Linz, so mein Plan, sollte von ihr die Antwort kommen, wenn nicht, hieß es für mich, in Linz nicht Richtung Nürnberg sondern die kürzere Strecke über Tschechien zu fahren und unten über Dresden reinzukommen, wenn ja, dann die Biege über Nürnberg und von dort weiter nach Berlin. Leider kam ihre Antwort erst nach Linz und damit war meine Enscheidung gefallen. Schade, sie hätte sich sehr gefreut mir verrückte Nudel für eine Nacht Herberge zu geben, stand in der SMS! Ich weiß aber nicht, ob die Freude spätestens bei meiner Ankunft und das Ausziehen meiner Stiefel angehalten hätte. Meine Füße und Socken waren vom Regen so naß und haben geruchsmäßig ein Eigenleben entwickelt, puh! So bin ich weiter und nach insgesamt 725 (!!) km und fast 13 h Fahrzeit wieder auf dem Campingplatz der Niederländer angekommen, bei denen ich schon auf meiner Hinreise war und das FussballWM-Endspiel gesehen hatte. Erst meinte der Vater, er hätte kein Häuschen frei, dann stubste ihn seine Frau an und meinte, ich wäre doch die, die zum Finale schon da gewesen wäre, nun erkannte er mich auch und schwupps, hatte ich den Schlüssel für Häuschen Nummer 5 ;-)! Sie wußten noch, das ich unkompliziert bin, keine Bettwäsche oder sonstwas brauche, hab ja meinen Schlafsack bei und somit war das für beide Seiten okay! Ne halbe Stunde später hatte ich auch ein großes, frisch gezapftes Budweiser vor mir, bin damit aber schnell vor meine Hütte zurück, die feiernden Niederländer waren mir einfach zu laut. Ich ertrage das noch nicht, noch bin ich im Alleinesein/Ruhemodus.

Jetzt am Morgen nach diesem Wahnsinnstrip, rauscht es zwar noch immer ein wenig in meinen Ohren, mein Nacken, Rücken und Hintern tut noch weh, aber der Gedanke heute vielleicht schon in Berlin anzukommen, hat etwas freudiges. Mal sehen, denn immerhin wären es wieder ca. 490 km. Landstraße oder Autobahn nehmen sich entfernungsmäßig nicht viel, Landstraße dauert nur ca. 3 Stunden länger. Hmm, ick weß noch nisch. Erstmal Sachen packen und dann das Navi fragen…

Heute halten sich die Fotos im Rahmen, bei dem Mistwetter wollte ich meine Kamera nicht herausholen und auf der Autobahn in Österreich zu fotografieren, hätte ich gerne gemacht, weil es teilweise ein atemberaubendes Alpenpanorama mit diesen angeberischen Bergen gab, ich aber mit echt heftigen Windböen zu kämpfen hatte und ehr meine Karre und mich gerade halten musste, als das Handy während der Fahrt zu zücken und zu knipsen ;-).

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