23. Tag = Burlusi~Hațeg

Von Burlusi nach Hațeg/Wallenthal
313 km Tagestour, 2.200 Höhenmeter, Transalpina, 34.654 Kurven, 1.435 Ampelbaustellen

Ich bin sooo kaputt!! Ich hab nicht mal die Kraft zum schreiben! Daher wird mein Tagesresümeé heute vermutlich kurz.
Trotz des sehr feinen Pflaumenschnaps mit meinen rumänischen Jungnachbarn gestern Abend, bin ich früh aus dem sehr kuscheligen Bett mit blütenweißer Bettwäsche und einer wunderbaren Matratze, nicht zu hart, nicht zu weich = einfach perfekt, gestiegen.Der Abend mit der rumänischen Jugend, naja, im Schnitt waren sie 25 Jahre, war sehr aufschlußreich. Endlich auch mal die Seite von Nachwendemenschen in Rumänien kennenzulernen. Die zwei Mädels haben Psychologie studiert und wissen jetzt nicht, was sie damit machen sollen/können/dürfen, denn die Jobaussichten sind hier mehr als beschränkt und der Verdienst bei einem besser bezahlten Job beträgt monatlich ca. 250 €!! Vorausgesetzt du bekommst eine Arbeit! Die eine von den beiden hat sich gleich zur Nageldesignerin umschulen lassen. Also alles nicht so rosig und trotzdem lieben sie ihr Land! Ich hab sie den ganzen Abend gelöchert, wollte ihr Verhältnis zu den Zigeunern wissen, zur aktuellen Politik, was im Land passiert und natürlich haben wir über Motorräder gesprochen ;-)! Der eine von den beiden Jungs war so angetan von mir und meiner 5.000der-Tour, alleine als Frau und in meinem Alter… ;-).
Ein wirklich schöner Abend!! Um 12 war dann aber für mich Ende, ich alte Frau brauch dann doch meinen Schönheitsschlaf.

313 Tageskilometer, incl.  der wahnsinnigen Transalpina, einer elendig langen Baustelle vor Petrosani und vielen kleinen Dörfern. Anstrengend aber sehr schön.

313 Tageskilometer, incl. der wahnsinnigen Transalpina, einer elendig langen Baustelle vor Petrosani und vielen kleinen Dörfern. Anstrengend aber sehr schön.

Um 8:30 hab ich den Platz verlassen, was echt Rekord war und bin in angenehmer morgendlicher Frische Richtung Transalpine, die einen von drei Anfängen (!sic) in Brizoi hat, gefahren. Alles sehr entspannt und gelassen. Dann, nach einer wunderbaren Strecke durch Wald, am Wasser entlang und nicht perfektem Asphalt war ich gegen Mittag an der Abzweigung zur eigentlichen Transalpina, eigentlich wollte ich gegen Norden fahren, aber das Schild das sie gesperrt sei hat mich verwundert! Ich einen Einheimischen gefragt, der meinte, nene, die ist in beiden Richtungen freigegeben! Aber die wirkliche Höhe, also oben auf dem Gipfel zu fahren, habe ich nur, wenn ich sie gegen Süden fahre. Hmmm, Mist. Ich wollte/musste hoch, wollte aber auch meinen inneren Schweinehund besiegen und mir diese wahnsinnige Straße hoch oben antun. Also anders enschieden und gegen Süden, Richtung Novaci, da wollte ich umdrehen und wieder hoch nach Sebes fahren und dann weiter. So der Plan B. Alter Schwede, hatte ich Klopse in der Hose.

Unglaublich dieser Blick auf dem Dach der Karpaten.

Unglaublich dieser Blick auf dem Dach der Karpaten.

Ich und Höhe und dann noch teilweise rechts gleich am Asphaltende hunderte Meter abwärts. Ich habe alles überwunden, innerliche und äußerlich Grenzen und bin dann oben gestanden und dachte nur, so über 2.500ender zu blicken, da kannste schon größenwahnsinnig oder unendlich demütig werden!! UND ich hatte die Straße fast für mich alleine!! Im Gegenteil, ich war froh, das ein Golf vor mir her gefahren ist, der hat mir gezeigt, das es keine Eigendynamik gibt und alles mit Physik und Psyche zu tun hat und so war auch meine Mantra: Du packst das! Stell dir einfach vor, das wäre ne ganz normale Spitzkehre, wie du sie schon tausendmal gefahren bist, links und rechts davon grüne, ebene Wiese mit glücklichen Kühen und kein Abhang! Okay oben angekommen musste ich erstmal pusten und staunen und hab gleich nen neuen Job als Schnapsverkäuferin angeboten bekommen. Ich hatte mich gewundert das so wenig los war, auf der Transalpina, als auch oben auf dem Gipfel, ein Verkäufer klärte mich auf, das rumänische Fernsehen hätte kürzlich behauptet, die frisch asphaltierte Transalpina wäre noch nicht eröffnet!! Er schüttelte nur verständnislos den Kopf um meinte: „Crazy Politik!!“

Mitten im wirklichen Nichts, das...

Mitten im wirklichen Nichts, das…

Dann hab ich das abgefahrenste Klohäuschen überhaupt entdeckt, nen Plausch mit zwei Bikern aus den polnischen Masuren gehalten und bin doch weiter gefahren. Umkehren wollte ich nun doch nicht. Nicht diese Straße wieder zurück. Vielleicht wird sie ja auf der anderen Seite freundlicher. Bullshit. War doch klar, das die so’ne Straße dann nicht entspannt gerade herunter bauen! Aber auch das hab ich gepackt und mich unendlich auf Ebene und Dörfer und Dorfstraßen gefreut! Meine Bedarf an Bergkrazeln mit Spitzkehren ist erstmal gedeckt.

Dann bin ich in Novaci rüber nach Bumbesti-Jiu und musste nun doch wieder hoch nach Norden über Petrosani rüber nach Harteg. Die Strecke vor Petrosani hatte es in sich! Der Straßenbelag mehr als bescheiden und mindestens 1.000.000 Baustellen, die zwar mit ner Ampelschaltung geregt sind (immerhin) und auch gut so, denn teilweise wäre es nicht möglich gewesen das zwei Autos nebeneinander passen, da es die Straße regelrecht weggerissen hat, also wieder Abgrund, nur diesmal mit nem mächtigen Fluß drunter. Bei den ersten Ampeln hab ich auch brav bei rot gehalten, naja, nach der 10. war mir das zu blöd, zu heiß, zu langweilig! Dann bin ich einfach bei rot los und hab eventuell entgegenkommenden Autos Platz gemacht, auch die Bauarbeiter haben mir den Weg frei gemacht. Menno für die knapp 40 km hab ich 3 Stunden gebraucht und viel Schweiß gelassen. Dann ging es endlich mal auf ne hübsche Schnellstraße ohne Löcher und die bin ich bis Hateg mit hundert entlang gedüst. Es war 18:30 und ich war geschafft, also Ausschau nach ner Penne halten. Camping gibt es hier nicht, aber Pensionen über Pensionen. Ich wollte aber keine Standart sondern eine mit Familienanschluß, also privat betrieben. Und die habe ich gleich am Anfang von Harteg gefunden. Toller Blumengarten, nettes Haus und Salome, der Besitzer ist nartürlich total nett. Ich hab aber auch immer ein Glück!! Ich hab meine Moped noch nicht mal vor meinem Zimmer abgestellt, da stand schon eine kaltes Bier bereit. Wir haben noch etwas geplauscht und dann hat er mich in Ruhe gelassen, vermutlich hat er gemerkt, das ich fix und foxi bin. Es gab mein Standart-alleine-Abendbrot, Tomaten, frischen Bergkäse und Salami.

Jetzt ist Feierabend und ich gehe in die Heia. Morgen, laut meiner Tourplanung verlasse ich Rumänien und lande unterhalb vom Balaton, also Ungarn. SCHADE. Ich brauche dringend nen Aufkleber: I love România!

4 Kommentare

  • Hei, bin immer noch fleißig am lesen. Freue mich auf deinen persönlichen Vortrag wenn du wieder gesund zurück bist. Kann dir die Räume am Kreuzpfuhl zum Vortrag anbieten 🙂 … keine Angst, man muss ja nicht jeden einlagen und ick habe ´n Schlüssel. Liebe Grüße Andree … und bis bald.

    • Das du noch mitliest freut mich sehr!! Und das mit dem Kreuzpfuhl ist ne Option, besprechen wir bei nem Wein, okay!? Bist du in 2-3 Tagen im Spreewald? Denn da müsse ich vorbeikommen auf meinem Heimweg und könnte ja dort auf nen Kaffee schonmal Hallo sagen :-)?!

  • Nach so viel Abenteuer, das ich bewundere, aber nicht eine Sekunde im Leben teilen wollte – zumindest Moped fahrend, war ich dann doch sehr „versöhnt“ mit diesen Sätzen: „Ich hab meine Moped noch nicht mal vor meinem Zimmer abgestellt, da stand schon eine kaltes Bier bereit.“

    Rumänien schleppst Du doch jetzt trotzdem mit, mach Dir mal keine Sorgen!

    • Ja das schleppe ich mit und bin heute Abend, auf einen ungarischen Campingplatz gleich wieder in der unfreundlichen, zynischen Welt angekommen. Ich vermisse die Wärme der Rumänen jetzt schon! Schnief.

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