2. Tag = Entenfarm~Koloděje nad Lužnici

Von Hohnstein nach Koloděje nad Lužnici, Czech Republik
Finaltag der WM (Navi gg. Sandra)
Tagestrecke 283 km

Bei Regen ist die Sonne Schnee von gestern!
Das könnte meine Tageslosung gewesen sein. Knapp 150 km im Regen gefahren und meine neue Regenkombi auf Herz und Nieren geprüft. Sie hat bestanden. Trotzdem sind und werden Regenfahrten nicht meine Lieblingsbeschäftigung, das eh schon hohe Level an Konzentration beim Motorradfahren muss nochmals gesteigert werden und das macht die Sache auf Dauer sehr anstrengend.

Das Foto musste ich machen, bei 6 Ländern kann ich schnell mit dem Tempo verwirrt sein...

Das Foto musste ich machen, bei 6 Ländern kann ich schnell mit den Tempolimits verwirrt sein…

Gegen 10 Uhr bin ich in der Entenfarm in Hohnstein los und hatte hinter Bad Schandau meine erste unspektakuläre Grenzüberfahrt. Na klar hab ich nen Foto von den landestypischen Tempolimits gemacht. Ein Muss, erstens als Erinnerung und zweitens hatte ich 6 Länder vor mir, da kann man schon durcheinander kommen mit der erlaubten Schnelligkeit ;-).
Am vorhergehenden Abend hatte ich meine Tourenplanung ins Garmin zūmo eingegeben mit Ziel České Budêjovice, vielleicht auch besser bekannt unter Budweis und für Liebhaber des tschechichen Bier, einfach Prost Budweiser, mein Lieblingsbier. Da wollte ich unbedingt hin und mir die Brauerei anschauen und eine Nacht bleiben, denn die Lieblingsbrauer zu besuchen ohne Bier zu verköstigen wäre eine Tortur, ein Drama, ein no-go! Als Zwischenziel gab ich eine Motorradhöhle im Norden an, „Pekelne Doly“, den Tipp hatte ich von Svenja und ihrem Enduroreisebericht über Tschechien. Eigentlich wollte ich sie auslassen, so ein typischer Männer-Bikertreffpunkt, da hatte ich keinen Bock drauf, aber am Abend vorher beim zweiten Bier überzeugte mich Sabine (siehe ersten Etappenbericht) doch dorthin zu fahren und einfach zu schauen und wenn es shit ist, dann einfach weiter fahren. Okay, die Höhle liegt zwar nicht unmittelbar auf meiner Strecke gegen Süden, aber der Weg ist das Ziel und eine Biege von 50-80 km mehr tut nicht wirklich weh. Dann gab ich noch 2 kleine Orte neben Prag mit ein, weil mein Navi mich unbedingt durch Prag leiten wollte. Das wollte ich unbedingt nicht! Ich war noch nicht bereit für eine große Stadt.

Dann ging es los. Meine Tschechienkarte im Maßstab von 1:350.000 lag vor mir im Sichtfenster meines Tankrucksacks, hatte aber ehr Alibifunktion, ich vertraute meinem Navi! Ich fuhr und fuhr und fuhr und bei kurzen Blicken auf die Karte, um den Ort den ich gerade durchfuhr geografisch zuverorten, fand ich nichts. Okay, der Maßstab war einfach zu grob, so meine innere Stimme und irgendwie hat das Fahren gerade totalen Spaß gemacht und mein Navi wußte ja Bescheid, also alles okay. Dann fuhr ich in Slany ein und … stutzte. Ähm, Slany? Das war doch einer der beiden kleine Ort und damit 2. Zwischenziel? Wo bitte war die Motorradhöhle? Dann nahm ich mir die Zeit, hielt an, Helm runter und befaßte mich mit meinem Navi und der Karte und stellte fest, Kaliga, so blöd kannst auch nur du sein. Ich hatte vor lauter Bier und nettem Gespräch mit Sabine am Abend vorher das erste und zweite Zwischenziel vertauscht. Also Herr Navi wollten runter in den Süden um dann wieder hoch in den Norden zur Höhle um dann wieder runter in den Süden über das 3. Zwischenziel -Beroun und weiter nach Budweis. Schlaues Navi! Aber das wollte ich nicht. Also meine ursprüngliche Idee, die Höhle Höhle sein zu lassen hat nun doch geklappt. Weiter auf wunderbaren kleinen Straßen durch Beroun und viele anderen kleine Dörfer, es wurde langsam bergiger und es fing an zu regnen und zu regnen und zu regnen und ich musste langsam tanken und hoffte, das das mit meiner EC-Karte ohne Probleme klappt. Sozusagen die Generalprobe für die kommenden 4 Wochen: EU = EC = Karte!

Hilde als EC-Herzensbrecher

Hilde als EC-Herzensbrecher

Dazu muss ich sagen, das vor 2 Jahren auf Kreta meine EC-Karte vom Automaten geschluckt wurde und das lag sicher nicht an dem süßen Aufdruck von Hilde, oder doch? (Die wilde Hilde, meine Hündin die wir vor einigen Jahren aus schlimmen Dosenöffnerhänden ‚befreit‘ hatten und die bis zum Februar diesen Jahres noch eine wirklich gute Zeit bei uns hatte, jetzt geht’s ihr hoffentlich im Hundehimmel noch besser?!) Es war am Anfang von meinen 2 Wochen Urlaub, zum Glück hatte ich eine wunderbare Vermieterin meines Ferienzimmers, Maria, die mir meinen Urlaub dann sozusagen zwischenfinanzierte. Damals hatte ich noch keine Kreditkarte, aber nach diesem Erlebnis, gibt es nun auch dieses Stück Plastik in meiner Geldbörse.
Okay getankt, EC-Karte gezückt… Nö, angeblich ist sie nicht gedeckt, so die Tankwartin, die etwas deutsch konnte, nochmals versucht, nö, dann Kreditkarte gezückt, die Schlange hinter mir wurde immer länger, hmm Mist, wie war nochmal meine Nummer zur Karte?, mal ehrlich, wie oft braucht man die? Zum Glück hab ich mir die vor Reisebeginn notiert (nein, ich werde hier nicht verraten wohin ;-)), ich hatte nur vergessen wo genau und deswegen entschied ich mich, in CZK zu zahlen, die ich zum Glück hinter der Grenze getauscht hatte. Puh. Genau solch ein Bezahldrama wollte ich nicht, aber alle um mich herum waren irgendwie entspannter als ich. Draußen rauchte ich im Regen noch ne Kippe, das mache ich gerne, besonders auf Tankstellen und dann ging es weiter.

Camping Pension “Kolodĕje” mit den herzlichen Liesbeth und Ronald Geijteman.

Nach gefühlten 132.765 Dörfern später, hatte ich keine Lust mehr auf’s fahren, schrieb für heute meine Lieblingsbrauerei ab und gab dem Navi den Auftrag, nen Campingplatz zu suchen und so bin in Koloděje nad Lužnici bei Liesbeth und Ronald (Camping Pension “Kolodĕje”) gelandet. Ein süßer Platz an nem Fluss, 30 km von Busweis entfernt und die niederländische Familie vermietete mir für nen Freundschaftspreis von 10 € ne Hütte. Meine Lust mit nassen Sachen im Zelt zu schlafen war bei null UND außerdem wurde das Fußballfinale übertragen UND außerdem gab es lecker Essen serviert UND außerdem gab es BUDWEISER! Perfekt! Dann darf es auch eine Hütte sein! Zum Spiel muss ich nicht’s schreiben, jedes Wort würde mehr ausdrücken als das gesamte Spiel Energie hatte, außer das ich die Einzigste beim Schauen aus Schland war und aus Respekt freuten sich einige der Niederländer für das erste und einzigste Tor.
Man hab ich gut in dem Bett geschlafen und morgens in strahlendem Sonnenschein Kaffee gekocht, blöd in die Welt gekuckt, wurde von Niederländern zum Sieg beglückwünscht um mir gleichzeitig auf ihren Handys Fotos von ihren Motorrädern, die bei ihnen zu Hause ihr trauriges Dasein fristeten, anzusehen. Langsam packte ich meine Plönnen zusammen. Es konnte weiter gehen. Noch ein paar kleine tschechische Dörfer, die ich wirklich symphatisch fand und dann über Österreich weiter in die Slowakei, so mein Tagesziel. České Budêjovice sollte bei einer anderen Tour besichtigt und betrunken werden.

Kein Ziel ohne Weg und kein Weg ohne Ziel. Abenteuer ist das (bewußte oder unbewußte) Weglassen jeglichem theoretischen Schnickschnack. Haha.

Ein Kommentar

  • Das mit der EC-Karte kenne ich auch, auf die ist im Ausland nur an Geldautomaten Verlass. Der Grund ist, dass viele Tankstellen und Kassenautomaten keine Datenleitung nach Deutschland haben, um das Guthaben zu prüfen. Die Leitung ist ziemlich teuer und deshalb verzichten sie darauf. VISA und Master hingegen funktionieren immer, wenn man eine PIN dafür hat. Ohne ist sie ziemlich wertlos, wie ich auf einer Schwedenreise vor ein paar Jahren feststellen durfte. Hmpff…
    Du bist auch durch Bad Schandau gefahren, das ist eine schöne Strecke, finde ich.
    Schade, dass du die Höhle nicht gesehen hast, aber die ist ja noch länger da und zwar sehr nett, aber kein Must See.
    Gute Reise, genieße jeden Kilometer und jede Übernachtung.
    Herzliche Grüße
    Svenja

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