15. & 16. Tag = Praid~Brasov

Von Sovata nach Brasov
188 Tageskilometer, Hitze, kein Regen und nen unendliches schlackerndes Vorderrad

Ich war ein Tag zuviel in Sovata. Aber was hätte ich machen können, ich habe am Montag erst meinen Werkstatttermin zum Vorderradrichten in Brasov, ich musste irgendwie im näheren Umkreis von Brasov bleiben und so schlecht war der Campingplatz nicht, nur die beiden Rumänen-Deutschen=Sachsen, Regina und Hans, das ist mir echt zuviel geworden. Die hatten angefangen mich zu adoptieren, ich hatte das Gefühl, keinen Schritt mehr gehen zu können, ohne das sie es registrieren und immer das Gefühl, sie würden am liebsten ihre 24 Stunden am Tag mit mir teilen. Ich hatte keine Lust mehr auf ihre Geschichten, oder anders, ich musste achtsam mit mir sein und noch viel Platz in meinem Kopf für die noch kommenden Geschichten lassen. Sie haben es echt lieb gemeint, aber ich will keine Familie. Da sie mich gestern zum grillen eingeladen hatten und ich mich darauf freute, endlich mal ordentlich zubereitetes Fleich essen zu dürfen, hmmmmm, hatte ich mich entschieden, Samstag noch da zu bleiben und Sonntag dann aber endlich nach Brasov zu fahren. Heute morgen, als ich runter bin vom Platz, haben mich die beiden Ungarn-Rumänen, die Betreiber des Campground, sehr herzlich verabschiedet. Vorher hatte ich von meiner Zeltnachbarfamilie aus Bucarest noch ihre Visitenkarte in die Hand gedrückt bekommen, mit der Anmerkung, er würde sich freuen, wenn ich mal nach Bucarest komme, dann könnten wir zusammen ein oder zwei Bier trinken und er könne endlich Deutsch reden. Die waren total nett und er hat sich immer bemüht, viel mit mir zu reden, weil er unbedingt meine Sprache sprechen wollte ;-). Diese kleinen, aber sehr feinen Begegnungen lassen immer mein Herz etwas springen, wenn Frau so alleine reist, dann tut sowas soooo gut!! Am Samstag kam dann noch nen TransAlpina-Motorradpaar, aber ich hatte einfach keine Kraft mehr, auch noch mit denen in Kontakt zu treten, sie hätten es gerne, so von Biker zu Biker, aber das musste ich blocken.

Am Freitag bin ich dann endlich auch mal in nen Penny gegangen, erstens brauchte ich Wiedererkennung und deren Sicherheit und zweitens was zu essen und trinken und die ganzen Zeit, seit ich in Rumänien bin, wollte ich wissen wie die Lidl, Penny und Kauflandläden hier aussehen! Genauso! Langweilig. Doch es gibt einen Unterschied, bei uns springen in diesen Discountern wenn es hoch kommt, 2-3 Mitarbeiter im Laden herum, dort in Sovata waren es 7 (sic!). Das macht das Zeuch aber auch nicht besser und die leckeren Sachen zum grillen hab ich dann beim Fleischer geholt, die Tomaten und Käse uff’m Markt und eine neue Luftmatratze gabe es auch!! In königsblau und sowas von fett und flauschig und weich!!! Die gab es in nem Laden, welcher eigentlich nur Schnick-Schnack hatte und aus der hintersten Ecke kramte sie die LuMa heraus, mit Blasebalg. Okay das Packmaß ist jetzt nicht der Renner, aber ich will ja nicht Rücken haben, nen bissl bequem darf es sein. Ach und die Deckenhöhe meiner Einraumwohnung hat sich dadurch auch dolle verringert! Schnurz-piep-egal!!

Also heute morgen gg. 10 Uhr los Richtung Brasov. Die Strecke hatte ich extra über Sighisoara gelegt, dies siebenbürgische Städtchen sollte wirklich schön sein, alleine die Straße dorthin war wieder klasse. Viele kleine Dörfer, mal aufgeräumt, mal wirklich sehr heruntergekommen. Aber genau diese Unbeständigkeit macht es auch so spannend, denn hast du ein Dorf was langweilig ist, weiß ich nun, hab acht, das nächste kann der Renner sein und heute, Sonntag waren echt viele Leute, sehr hübsch, ordentlich und teilweise traditionell gekleidet und sind, tja was? Richtung Kirche gelaufen. Der Glauben ist hier wirklich allgegenwertig. Um so schlechter es den Menschen geht um so neuer und hübscher sind die Kirchen in jedem Dorf und es gibt Dörfer, da muss die Armut so gravierend sein, die haben 2-3 Kirchen, tja wo soviele unterschiedliche Glaubensrichtungen mehr oder wenig Tür an Tür leben?! Die Sekter, die Ungarn, die Rumänen, die Sachsen, die Sinti und Roma, die hier gerne Zigeuner genannt werden wollen, Roma klingt für sie zu sehr nach Rumäne und als Rumänen wollen sie auf keinen Fall gehalten werden, die Magyaren, die Juden, die Armenier und die katholische, die reformierte und eben die orthodoxe Kirche. Heute hat eine Roma für mich gebetet, sie hatte mich in Sighisoara bei ner Kippenpause erwischt, wir plauschten und alle, wirklich alle waren spätestens wenn klar ist ist bin aus Schland, waren sie auch mal in Deutschland, sie nahm meine Hand, ließ sie nicht mehr los und betete für mich, natürlich nachdem sie nach meinen Namen gefragt hatte. Das Kleingeld welches ich danach gab, war für all die Kinder und Arztrechnungen natürlich viel zu wenig, aber mehr gabs einfach nicht.

Ich gestehe, ich war faul und bin nur mit dem Töff durch dies Städtchen getuckert, ich hatte keine Muße anzuhalten, nen Kaffee trinken zu gehen und schon garnicht, mit den schweren Motorradklamotten in der Mittagshitze die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Dann ging es weiter auf eine hübsch restaurierte Kirchenruine ca. 80 km hinter Sighisoara, aber es war noch immer zu heiß, um mit Stiefel und Helm und Jacke da herumzukraxeln und dann wackelte ich dem Ortseingang von Brasov entgegen und die erste MOL-Tankstelle war meine. Ich glaube das ist ne ungarische Kette, aber ich mag die, die sind sauber, aufgeräumt, haben nen netten Shop und meistens nen Betanker. So auch heute. Sandro hieß er, hatte mal für nen paar Monate in Deutschland als Tellerwäscher gearbeitet und ist dann wieder nach Hause (hab ich’s nicht gesagt ;-)!). Kann kein Wort deutsch aber auf englisch konnten wir uns austauschen und er gab mir eine Adresse einer Bekannten in Brasov die Zimmer vermietet, sicherheitshalber, ich weiß nicht, woher ich den Riecher hatte, es ganz genau wissen zu wollen. Eigentlich wollte ich auf nen Campingplatz gleich hinter Brasov, Dreske, der sollte gut sein. Dann noch nen Plausch mit nem Brasover Transalpina-Motorradfahrer aus und los durch die Stadt. Schon das hineinfahren war beeindruckend. Ein wunderbare Mischung aus alten kommunistischen Plattenbauten, Baumärkten, alten Häusern, breite Straßen, unendlichen vielen Kreisverkehren und angenehmen sonntäglichen Verkehr. Die Reifen wurden wieder breiter, die Felgen aus glänzenderem Alu und die Auspuffrohre dicker. Testosteron. Durch Brasov durch und ab zum Campingplatz. Upps. Geschlossen. De Vanzare – Zu verkaufen. Tja, schade! Aber hatte ich nicht ne Adresse von nem richtigen Zimmer!! Im besten Fall mit Dusche, Klo, und Bett und alles innerhalb von 2-3 Metern zu erreichen!! Hin und geklingelt und ne total nette Frau gab mir den Schlüssel Nummer 4. ich fragte, ob es eventuell etwas zu essen gäbe? Ganz vorsichtig und sehr hungrig. Sie: Nein, eigentlich nicht. Aber ich sah wohl so eingefallen aus, das sie meinte sie hätte für sich gerade Suppe gekocht, davon könnte ich was haben. Super! JA, GERNE! 10 Minuten später stand die lecker Suppe, nen Würstchen, nen gebratenes Stück Fleich und ein kaltes Bier im Hof auf’m Tisch und ich konnte futtern, ich Schussel hatte das den ganzen Tag wieder vergessen.

Dann zu Fuß los Brasov erkunden und eventuell nen Blick in die Schwarze Kirche zu werfen. Ich erwischte ein Folklorefest, viele Urlauber, tolle Gebäude, herrliche Aussichten und drei Bankautomaten, die mir kein Geld ausspuckten. Dann muss ich eben morgen, Montag direkt in eine Bank gehen und mit der Visa Geld holen, denn langsam herrscht Flaute in der Geldbörse. Die Jungs wollen morgen ja bezahlt werden und das Zimmer natürlich auch!! Brasov ist echt schön, sehr behutsam wurden einzelne Häuser saniert, aber es gibt auch mehr als genug Ruinen in denen nur unten im Erdgeschoss Geschäfte oder Läden sind, dadrüber sieht es sehr oft sehr unbewohnt und sehr ruinös aus. 2 Stunden Stadtspaziergang haben mir gereicht, dann bin ich wieder zurück in mein wunderbares Zimmer, was etwas süßlich riecht, aber egal und tippe diesen Text und schaue nebenher rumänisches Fernsehen.

ps.: Mein Kontakt zur Werkstatt morgen in Brasov, der liebe Robert, hat mir über Facebook geschrieben, das ich auch schon um 9 da sein kann, super, dann kann ich vielleicht gg. Mittag weiter ins Gebirge :-). Mein erster Termin im Urlaub, fühlt sich komisch verpflichtend an.

pps.: Svenja von http://www.svendura.de hatte mich in meinem Blog mal bezgl. der Sicherungen von Helm und so gefragt, wenn man mal schnell einkaufen geht. Ich bin wahrscheinlich viel zu vorsichtig und nehme Helm, Tankrucksack etc.pp. meistens mit, außer wenn ich’s Schussel vergesse, das ist, glaube ich, nicht nötig, aber ich will es auch nicht drauf anlegen. Wobei, wenn ich in einem Dorf in einen Market Mix gehe, bei uns unter Konsum besser bekannt (aber leider schon fast ausgestorben) dann laß ich sogar meine Schlüssel stecken und den Helm uffm Seitenkoffer. In größeren Städten bin ich vorsichtiger, aber das wäre ich, egal wo auf der Welt, auch.

4 Kommentare

  • Danke schön für die Shopping und Sicherheits Aufklärung. Dein Einkauf, lach…
    Bier, Bacon, Salami und Wasser wären bei mir auch im Korb gelandet. Ist es nicht total spannend, in einem fremden Land einzukaufen und zu sehen, was es dort so gibt? Wie es präsentiert wird, was es kostet und was die Menschen so essen und trinken?
    Aber den Tankrucksack würde ich wohl nicht mit reinnehmen, vielleicht aber den Helm. Ach, ich weiß nicht. Sicherheit ist immer nur gefühlte Sicherheit, bzw. Unsicherheit und oft liegt man daneben. Ich denke, man darf sich nicht zuviele Gedanken darüber machen, sondern soll seinem Bauchgefühl vertrauen.
    Hab einen schönen Tag…

    • Du hast so Recht mit dem subjektiven Sicherheits- oder eben Unsicherheitsgefühl. Das ich bei dem Penny meinen Tankrucksack mit reingenommen hatte, war vermutlich übertrieben, aber da ist meine Fotoausrüstung drin und die liegt mir sehr am Herzen. Ich habe zwar ein kleines Vorhängeschloss dran, aber nur an den Reißverschlußenden, abmachen kann man ihn trotzdem. Was mir hier häufiger gesagt wird und das gilt aber vermutlich für alle geografischen Bereiche, man muss nicht unbedingt verführen und das mit dem Bauchgefühl, stimmt, diese Reise ist Training, wieder mehr auf ihn und nicht soviel auf den Kopf zu hören!!

      Und ja, die länderspezifischen Einkaufsitten… Die sind wirklich spannend, hach wie so vieles mehr. Lieben Gruß, wie immer nach Kiel.

  • Hey, du Weitreisende.
    Habe gestern von einem rumänischen Ungarn erfahren, dass du dich nicht zu sehr auf die EU-finanzierte Asphaltdecke freuen solltest, sondern mit erhöhter Konzentration fahren, da es wohl hin und wieder eins zwei Meter Lücken geben soll. Kein Mensch weiß wieso.Also: Fahr auch da vorsichtig und hab ganz viel Spaß!!!! Und natürlich Abenteuer.

    • Liebste Georgi, hab Dank für Deinen Tip! Naja das mit den „eins/zwei Meter-Lücken“ im Asphalt hört sich ein wenig nach, wie beschreibe ich jetzt die Geste, wenn ein Angler seine Arme immer weiter auseinander macht um die Größe seines Fanges zu beschreiben? 😉 Du verstehst, gelle?! Nein im Ernst, das und noch ein paar andere Geschichten über Rumänien stimmen einfach nicht. Die Straßen, egal ob EU-finanziert oder aus Ceaușescu’s Zeiten sind wirklich okay. Aber ich passe auf, auf Löcher im Asphalt oder diese wirkliche gruseligen Bahnübergänge oder Tiere, ich bremse für alle ;-)! Drück Dich, icke.

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