13. Tag = Borsec~Sovata

13. Tag von Borsec über Reghin nach Sovata
ca. 120km und ne  Panne, Panne, Panne = Abenteuer, Abenteur, Abenteuer.

Als ich heute morgen in Borsec aufgestanden bin, nach einer herrlichen Nacht in meiner kleinen Hütte war die Welt noch in Ordnung. Espresso brühen, eine äußerst herzliche Verabschiedung von meinen lieben moldawischen Hüttennachbarn, die mir noch ihren moldawischen Wein geschenkt haben und nach dem 2. Espresso entschieden, weiterzuziehen.

Sachen zusammen gepackt, dem Mädchen, -Platzwartin fällt mir echt schwer zu sagen, sie ist ca. 11 Jahre jung und schmeißt mit ihrem Bruder, ca. 14 Jahre jung, alleine den Platz… Kinderarbeit, sag ich da nur, -hab ich noch geholfen, den Müll vor’s Tor zu stellen, der war echt zu schwer für sie und außerdem hatte ich am Abend vorher schon eine nette Beziehung zu ihr aufgebaut, auch ganz ohne gemeinsame Sprache und sie mochte mich scheinbar auch. Ich hab ihr zum Abschied noch 30 Lai in die Hand gedrückt und ihr signalisiert, das die nur für sie sind. Dann vom Platz gefahren und gestutzt. Hmm das Geräusch ist neu, plok, plok, plok. Nichts am Motor, nur wenn die Reifen sich bewegen. Zur nächsten (und einzigsten Tankstelle in Borsec) gefahren, denn den Hörtest kann ich nur ohne Helm machen und auf rumänischen Straßen ohne Helm, nene, das kann ich der Policia nicht erklären. Auf der Tanke dann immer hin und her getuckert, irgendwie hat sich das wie ein Stein im Profil angehört, wieder hin und her, um die Karre geschlichen, nichts. Dann wollte ich meine Tour beginnen, dachte mir noch, kann ja nicht so schlimm sein, noch ne Kippe geraucht, Tanke= Kippe=mach ich gerne ;-), dann nen Blick aufs Vorderrad und da war der Übeltäter vom Geräusch. Ne Speiche ist gebrochen, dieses Offroadfahren fordert Dribut!!

Meine Vorderrad hatte ja schon vorher immer mal geschlackert, aber das hatte ich meiner Gepäckverteilung geschuldet, einfach zu wenig Last auf dem Vorderrad. Mist, Mist, Mist. Weiterfahren geht, aber mit so’ner weggefegten Speiche ist kein Offroad mehr drin und das hier!! In Borsec ne Werkstatt gesucht und eine Husquana gefunden, die aber nur in Rasenmäher und Kettensägen macht, der nette Mann meinte aber dann, in Reghin ist ne Werkstatt. Also Navi auf genau die entgegengesetzte Richtung meiner Routenplanung programmiert und unterwegs dachte ich mir, ich fahre bei dem netten Menschen in Reghin vorbei, der mich gestern beim Anziehen meiner Regenpelle beobachtete hatte und mit dem ich dann über Enduros ins Schwaffeln kam. Der weiß bestimmt wo in seiner Stadt die Werstatt ist!! Angekommen, keiner zu Hause. Dann los und mindestens 3x durch die Stadt und ihre Randbezirke auf der Suche. Nüscht gefunden. Dann wieder ins Zentrum und zwei Wachmänner angesprochen und gefragt. Die kannten die Werkstatt und sahen ein, das es sinnlos ist, mir den Weg auf rumänisch zu erklären, also: „Follow me“! Icke mit Sicherheitseskorte zu „Moto Bike“. Herzlichst bedankt und den Schraubern meine Problem geschildert. Sofort waren drei Mann am Werk, mir ne Speiche zu basteln, stellten dann aber fest, das ihre zu dünn sind. Der Chef hat mich dann zum 4x ins Centrum geschickt in nen Laden der Draht und so’n Zeuch hat. Ich habe den einfach trotz super Erklärung nicht gefunden und stand in der Mittagshitze triefend unter meinen Klamotten etwas ratlos da. Da kannste drauf wetten, keine 30 Sekunden und du wirst gefragt, ob man dir helfen kann!

Ich mag gar nicht nach Berlin und seiner Kaltschnäuzigkeit zurück!! Im Laden haben sich dann 4 Verkäufer meinem Problem angenommen und mir genau eine Alternative geboten, die war nur 2mm zu stark als die orginal Speiche und einzeln gabs die Drahtstäbe auch nicht zunkaufen, nur im 10ner-Bündel. Egal, knapp 4 Lai, lächerlich. Wieder zurück in die Werkstatt und dann ging das richtige Basteln der Jungs erst los. Auf Länge schneiden, Gewinde reinschneiden, eine störende Speiche ausbauen um die neue, dickere einzubauen, andere Speiche auch wieder rein, alles festziehen, nach 4h war alles fertig und ich happy!! 100 Lai für die Jungs und mit dem Chef echt nett auf englisch (ick muss diese Sprache endlich richtig lernen!) geplauscht. Auch er war tief beeindruckt von meiner Tour, als Frau und alleine. Dann tschüß und mir meine neues, nur 45km entferntes Ziel gesteckt. Bin jetzt voll in der Salzgegend. Von hier und dem Nachbarort Praid wird die Welt mit Salz versorgt. Ich hatte mich schon immer gefragt, woher das Zeuch auf meinem Küchentisch kommt?! Jetzt weiß ich es!

Dann einen ganz wunderbaren, sauberen, mit Wi-Fi ausgestatteten Campingplatz in Sovata gefunden, Zelt aufgebaut und endlich!! (17Uhr) was gegessen und beim Essen Besuch von einer älteren Frau bekommen, die mit ihrem Mann und Wohnmobil herumreist. Sie ist 1976 aus Siebenbürgen nach Deutschland ausgereist und hat mir ihre Erfahrungen als Deutsche in Rumänien erzählt. Eine Sichtweise, die mich schon länger interessiert. Da hängt ja soviel Nationalismus dran, Feindschaften zw. Ungarn, Rumänen und Deutschen, Enteignungen nach dem Krieg und großes Leid unter Ceausescu. Spannende Geschichten und wo wir uns einig waren, die nicht nachvollziehbare Zurückhaltung, der Neid und die Mißgunst „der Deutschen“ im Heute und Jetzt, eben ganz anders, wie ich seit Tagen die Menschen hier in Rumänien kennenlerne.
Zwischenzeitlich schüttete es mal wieder, aber hier auf dem Platz gibt es wunderbare überdachte Sitzgelegenheiten, perfekt für solche Minizeltbewohner wie ich. Morgen gehe ich in einem Salzsee baden, der mal Bergwerk war, dann zusammenbrach und daraus hat sich dieser See gebildet und dann muss ich überlegen, ob ich mit dieser neuen Speiche weiter fahre oder abbreche und gegen Heimat losmache 🙁 . Denn trotz vollständigem Speichensatz schlackert das Vorderrad extrem doll. Ich kann das gerade nicht abschätzen, außerdem hab ich für klare Entscheidungen zuviel moldawischen Rotwein getrunken ;-).

Abenteuer. Abenteuer. Jute Nacht Abenteuer!

3 Kommentare

  • Oh, Mist, das mit den Speichen. Die sind auch bei meiner Greeny der einzige echte Schwachpunkt. Ich hab die Felgen schon mehrfach richten lassen. Die miesen Straßen in Irland waren zuviel fürs Vorderrad (warum eigentlich immer vorne?), aber gebrochen ist noch keine.
    Rumänien hat mich nie groß interessiert, aber deine Reise und warmherzige Erzählung machen so neugierig. Erzähl doch mal was vom Einkaufen. Wie ist das so? Supermärkte, gibts Entrecote?! (nein, sicher nicht.) Lässt du alles unbesorgt draußen stehen? Den Helm auf dem Spiegel? Oder nimmst du lieber mit rein? In Tschechien hab ich alles draußen gelassen, aber mehr wegen Vergesslichkeit und Gewohnheit 🙂
    Einen schönen Sonntag wünsch ich dir, hoffentlich kriegen die Jungs am Montag das Vorderrad wieder gerade.
    Lieben Gruß Svenja

    • Ja das mit der Speiche ist irgendwie blöd aber auch nicht zu ändern. Die heutige Fahrt nach Brasov, ca. 160 km war das pure Geschlacker vom Vorderrad, entspanntes fahren fühlt sich anders an. Aber morgen Mittag können die Jungs hoffentlich helfen, wenn nicht, hab ich vorhin nen BMW-Dealer mit Werkstatt in Brasov entdeckt und der Pförtner meinte ab 9 Uhr ist die Werkstatt besetzt und die können mir bestimmt helfen. Also das wird schon, wie immer, keine Ahnung woher und warum, bin ich total entspannt und zuversichtlich. Ich bin nen Kontrollfreak und normalerweise würde mich solche Unwegsamkeit etwas aus der Bahn werfen. Hier und jetzt nicht, dieses Land beruhigt ungemein oder deren Menschen oder das was ich ausstrahle, keine Ahnung, ich nehmen es einfach mal hin :-)!

      Und nur für Dich kommt im nächsten Tagesbericht ne einkaufs-u. Sicherheitsbeschreibung ;-). Und ja, Entrecote habe ich in ner Auslage schon gesehen und sofort an Dich gedacht :-)!! Tausend Grüße nach Kiel aus dem wunderbaren Rumänien!!

  • Guten Morgen Abenteuer.
    Ich kommentiere mich mal selber. Dank Facebook und einem Mitglied aus dem BMW F650 Forum (Stefan Du bist super, danke!! Er hat letztes Jahr 5 Monate in Brasov gearbeitet und hat dort ne Menge Kumpels, die auch Motorrad fahren), kann ich am Montag nach Brasov in eine Werkstatt fahren, dort lasse ich mir gerne helfen, die Speichen so nachzuziehen, das die 8 raus ist und das geschlackere aufhört, so der Plan. Derweilen werde ich das Wochenende hier in Sovata und Praid für ausgiebige Salzbäder-u. Kuren nützen 😉 und die Gegend ohne Gepäcke und Last erkunden.

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