11. & 12. Tag = Colibița~Borsec

11. & 12. Tag von Colibita nach Borsec
Strecke = 197 km
Über Bistrita, Reghin (Sächs. Regen), Toplita und zum Schluss über den Borsec-Pass liegt der ehemalige Nobelkurort Borsec auf 880 Meter. Ich fasse mal die beiden Tage zusammen, den gestern wurde die Maschine nicht bewegt und auch ich hab es nur vom Zelt, zum/in See und zurück geschafft. Es war einfach zu schön bei Jochen, der eigentlich Ioah geschrieben wird, als das ich mich von dort wegbewegen wollte, außerdem bin ich mit lecker Essen und Bier von ihm und seiner Frau versorgt worden. Also warum weg von dort?

Und weil das rumänische Fernsehen im speziellen der Wetterbericht viel Wasser von oben für den Abend und den heutigen Tag angekündigt hatte, Jochen (ich schreiben mal zum besseren Verständnis den dt. Namen) hatte mich extra in sein Wohnzimmer zum Glotze schauen geholt, da ich ihm das nicht abgenommen hatte, das es diesen Wetterumschwung gibt, brach ich mein Zelt ab und bezog ein Zimmer. Ich stehe ja bekannter Maßen gerade mit meiner Luftmatratze auf Kriegsfuß, war das auch ein Grund und 30 Lai, also ca. 6,70€ dafür waren jetzt völlig okay, der Zeltplatz kostet bei ihm übrigens 2,26€. Also alles nicht wirkliche Preise. Die Entscheidung mit dem Zimmer war so goldrichtig, den in der Nacht und am Morgen und am Vormittag und am Mittag regnete es kleine Hunde. Einerseits fand ich das nicht schlimm, ich war umgeben von wirklich netten Menschen, andererseits hatte ich mir schon ne neue Strecke rausgesucht. Es sollte in den ehemaligen Nobelkurort der ehemaligen politischen rumänischen Elite gehen, bekannt auch dafür, das von hier ganz Rumänien mit Mineralwasser versorgt wird. Natürlich hatte auch die Familie Ceausescu hier ihr Villa, ging hier zur Kur und zur Jagd. Leider verfallen die ehemaligen prächtigen Jugenstilfassaden und Villen immer mehr. Der Staat hat einfach kein Interesse an einer Entwicklung eines überregionalen Touristengebietes und der ungarischen Bürgermeister sieht sich mit unüberwindbaren Problemen konfrontiert. Daher ist Privatinitiative gefragt, die wohl auch langsam greift. Ein Problem ist aber auch, das nur 10% der Wälder um Borsec herum im Staatsbesitz sind, das bedeutet, der Rest ist privatisiert und die Holzindustrie ist die einzig wirklich funktionierende. Die Folge ist unkontrolliertes Abholzen, haha und die lichten Stellen werden gerne als Sturmschäden beschrieben oder am Wegesrand bleiben einfach ein paar Reihen Bäume als Kulisse stehen, dann fällt der wahnsinnige Kahlschlag dahinter nicht so auf. Noch dazu machen die LKW’s im Wald die Wanderwege absolut unpassierbar. Das ist eine andere Seite von Rumänien. Die Sägewerke sind eben auch Arbeitgeber.

Genauer schaue ich mir Borsec und seine Jahrhundertwendebauten aber morgen an.

Da ich heute am Nachmittag mit dem ersten Sonnenstrahl erst von Colibita weggekommen bin und 4 1/2 h Fahrzeit bis hierher hatte und davon die Hälfte im Regen, genaue gesagt ab Reghin (Sächs. Regen) 😉 war es an der Zeit, meine Regenkombi anzuziehen. Dies tat ich in einer kleinen Seitenstraße unter einem Fenster, welches auch gleich aufgemacht wurde, aber wäre ich zu Hause, hätte man mir höchstwahrscheinlich irgendwie nonverbal klar gemacht, das ich mein Motorrad nicht einfach unter dem Fenster abstellen kann, dort schaute ein Mann heraus und beobachtete mich beim Pelle überziehen, was nicht so leicht ist, alles galant über den Anzug und Stiefel zu bekommen, dann machte er mir aber Zeichen gegen Himmel und ich zeigte auf die Regenpelle und meinte: Tja ich bin in Sächs. Regen! Er verstand und dann erzählte er mir, was er für ein Motorrad fährt, das er aber mal eine Suzuki DR 650 hatte, die den rümänischen Straßen gerechter war. Ich sagte ihm, das alles mit Händen und Füßen und rumänisch-englisch-deutsch, das ich die auch hatte und wie anstrengend dieses ankicken immer war, trotz Kompressionshebel (ihr die hier neugierig mitlest, wißt wovon ich schreibe, gelle ;-)). Der Mann und ich verstanden uns sofort, dann schaute noch sein Papa aus dem anderen Fenster, grüßte freundlich und beide wünschten mir viel Spaß beim Mineralwasser.

Ach und vor Reghin gab es mal wieder 6 km „Straße“ wo der Asphalt vergessen wurde, aber es war alles einigermaßen festgefahren und ehr Sand als Schotter und hat viel Spaß gemacht, als ich von diesem Offroadspaß runterkam musste ich durch ne große Gruppe Bauern und mindestens 10 der allgegenwärtigen Pferdekarren die alle auf das Beschlagen ihrer 1PS-Gäuler warteten und begeistert mir hintersahen. Ich hätte so gerne angehalten und denen geplauscht und beim Beschlagen zugesehen, aber bei sovielen Kerlen fehlt mir echt der Mut, doof, weil es bestimmt total nett geworden wäre, aber egal, beim nächsten mal dann! In Reghin gab es dann sicherheitshalber auch Gesöff für meine Karre, bin ja ein wenig „No Benzina“ geplagt und sicherheitshalber fragte ich auch mal nach Air. Da kam der gute Tankwart gleich raus und hat mir ordentlich Luft auf die Reifen gegeben, dieses Offroadgemetzel fordert eben auch dort Dribut.

Den Rest der Strecke durfte ich auf feinstem EU-finanziertem Asphalt entlangrauschen, was schön war, auch mal wieder 100 kmh zu fahren und dann ging es ab in die Giurgeu-Berge auf knapp 1200 Meter und wieder etwas runter auf 880 Meter und da bin ich nun, im Ex-Nobelkurort Borsec. In meinem Reiseplaner von Siebenbürgen wird hier ein Campingplatz mit vielen kleinen Hütten angepriesen, mein Navi fand ihn, ich mietet eine Hütte für 35 Lai ca. 7,90€ hab kaum mein Zeuch vom Moped hineingeschafft und war schon von meinen moldawischen Hüttennachbarn, einem älteren Ehepaar zum lecker Abendessen mit Bratkartoffeln, Salat, Käse, Wein und Tee eingeladen. Ich musste erstmal erfahren, ob es „kulturelle“ Probleme zwischen Moldawier und Rumänen gibt, ich wollte in kein Fettnäpfchen treten und wenn sie mich richtigen verstanden haben und ich ihre Antwort aus moldawisch/rumänisch/russisch/deutsch/englisch richtig verstanden habe, dann ist alles gut. Wir erzählten uns dann noch unsere Anreisekilometer, ihre lagen bei 350 und meine bei ca. 2000, staunen und darauf ein Wein, nawrog (Prost)! Dann gaben sie mir noch unbedingt den Tipp, nach Praid zu fahren, der eh schon auf meiner Liste steht. Von dort wird die ganze Welt mit Salz versorgt und es soll wunderbare unterirdische Salzkuren geben die Wunder bei den Atemwegen bewirken. Dann heiß geduscht, im Regen wieder zurück in die Hütte und überlegen welche Abenteuer morgen auf mich warten. Jetzt wird erstmal ins Bett gekuschelt. Nächtli.

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